Why We Sometimes Prefer Problems to Freedom

Wir alle wollen frei sein. Doch Freiheit bedeutet nicht nur, tun zu können, was wir wollen. Sie bedeutet auch, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Und genau deshalb kann ein vertrautes Problem manchmal bequemer erscheinen als die Freiheit, die wir uns eigentlich wünschen.

10/7/20262 min read

Wir alle wollen frei sein. Zumindest klingt Freiheit nach etwas, das man unbedingt haben möchte. Keine Verbote, keine Einschränkungen, keine fremden Erwartungen. Tun können, was man will. Sein können, wer man ist.

Freiheit klingt beneidenswert.

Bis man sie tatsächlich bekommt.

Denn Freiheit bedeutet nicht nur, dass niemand mehr über uns bestimmt. Sie bedeutet auch, dass wir selbst bestimmen müssen. Und damit sind wir plötzlich bei der weniger romantischen Seite der Freiheit: Verantwortung.

Jean-Paul Sartre formulierte es radikal: Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. Wir können nicht nicht frei sein. Und gerade weil es keine vorherbestimmte Ordnung gibt, keinen übergeordneten Plan, dem wir folgen müssen, gibt es auch niemanden, auf den wir die Verantwortung für unser Leben abwälzen können.

Das ist unbequem.

Denn solange etwas oder jemand anderes schuld ist, müssen wir nichts verändern. Solange die Umstände, die Vergangenheit, die Gesellschaft, der Partner, die Eltern oder die verpasste Gelegenheit unser Leben rechtfertigen, haben wir zumindest eine Erklärung.

Und eine Erklärung wirkt besänftigend.

Ein Problem kann uns eine Form von Orientierung geben. Es erzählt uns, warum unser Leben so ist, wie es ist. Es gibt unserer Unzufriedenheit einen Namen und unserer Untätigkeit einen Grund.

Handeln ist da deutlich weniger beruhigend.

Denn wenn wir handeln, können wir scheitern.

Und wenn wir es gar nicht erst versuchen, bleibt zumindest die Möglichkeit bestehen, dass es hätte funktionieren können.

So wird das vertraute Unglück manchmal attraktiver als die unbekannte Freiheit.

George Bernard Shaw brachte die Verbindung zwischen Freiheit und Verantwortung auf den Punkt: Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Genau deshalb fürchten sich die meisten Menschen davor.

Das erklärt auch einen merkwürdigen Widerspruch: Freiheit von etwas fühlt sich oft leichter an als Freiheit zu etwas.

Freiheit von Verboten klingt wunderbar. Niemand sagt uns mehr, was wir nicht dürfen.

Freiheit zu entscheiden, zu handeln, zu scheitern, neu anzufangen und die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen zu tragen, ist eine andere Angelegenheit.

Die erste befreit uns von Grenzen.

Die zweite übergibt uns das Steuer.

Und plötzlich erscheint ein Problem fast wieder attraktiv.

Zumindest weiss man bei einem Problem, woran man ist.

Freiheit dagegen bedeutet Unsicherheit. Sie verlangt Entscheidungen, obwohl wir nicht wissen, wie sie ausgehen. Sie verlangt, dass wir unserem eigenen Urteil vertrauen, obwohl niemand uns garantieren kann, dass es das richtige ist.

Ist Eigenverantwortung deshalb aber wirklich nur eine Last?

Oder ist sie einfach nur der Preis dafür, das eigene Leben tatsächlich als das eigene zu erleben?

Auch Albert Camus führt uns genau an diesen Punkt. Die Welt liefert uns keinen fertigen Sinn. Wir suchen danach, doch die Welt antwortet nicht. Aus dieser Spannung entsteht für Camus das Absurde.

Vielleicht ist es genau diese Stille, vor der wir zurückschrecken.

Denn wenn uns niemand sagt, wofür wir leben sollen, müssen wir selbst entscheiden. Wir müssen unserem Leben Bedeutung geben, ohne die Sicherheit einer endgültigen Antwort.

Das kann beängstigend sein.

Aber es kann auch befreiend sein.

Denn wenn es keinen höheren Sinn gibt, den wir erfüllen müssen, müssen wir auch keinen fremden Entwurf unseres Lebens verteidigen. Wir dürfen entscheiden, was für uns sinnvoll ist.

Freiheit wird dann zur Bürde, wenn wir glauben, es gäbe nur diesen einen richtigen Weg.

Dabei vergessen wir, dass unser Leben begrenzt ist.

Wir haben nicht endlos Zeit, auf den perfekten Moment, die richtige Erklärung oder die Erlaubnis von aussen zu warten.

Und wenn wir ohnehin zur Freiheit verurteilt sind, bleibt eine ziemlich einfache Frage:

Was wollen wir mit ihr anfangen?

Das vertraute Problem behalten?

Oder das Risiko eingehen, unser Leben nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten?

Wir haben dabei nicht viel zu verlieren.

Ausser den Gründen, die uns bisher davon abgehalten haben.

Diese Seite enthält Geschichten, Gedanken und die eine oder andere unbequeme Frage.

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