Zwischen Realität und Rausch – Schreiben an der Grenze
Manchmal ist Schreiben mehr als Kreativität – es ist Selbsterkenntnis. Indem ich meinen Figuren meine Konflikte in die Hand gebe, schaffen sie Lösungen, die mir im Alltag verborgen bleiben. Ein Text über die Grenze zwischen Realität und Rausch – und warum Schreiben manchmal der klarste Spiegel ist.
11/5/20251 min read


Es gibt Momente, in denen Realität zu schwer auf den Schultern lastet. Gedanken drehen Kreise, Probleme wiederholen sich, und man findet keinen klaren Ausweg. Genau hier beginnt für mich das Schreiben.
Nicht als Flucht – sondern als eine Art Labor. Ein Ort, an dem ich das, was mich beschäftigt, auf meine Figuren übertrage.
Meine Protagonistinnen tragen oft den Schmerz, die Zweifel, die Unruhe, die ich selbst spüre. Aber: Sie sind nicht ich. Sie sind frei, eigene Wege zu gehen. Sie dürfen Fehler machen, dürfen riskieren, dürfen Entscheidungen treffen, vor denen ich im Alltag vielleicht zurückschrecke.
Und genau darin liegt der Wert: Ich lasse sie handeln – und beobachte.
Manchmal haben meine Figuren schon Probleme gelöst, während ich noch nicht einmal wusste, dass ich selbst mitten in einem steckte. Sie konfrontieren mich mit Wahrheiten, ohne dass ich sie bewusst steuere. Es ist, als würden sie selbst bestimmen, wie sie mit einer Situation umgehen. Ich lerne, indem ich ihnen beim Scheitern, Lieben, Verzweifeln oder Kämpfen zusehe.
Dieses „Nicht-Einmischen“ fällt mir nicht immer leicht. Natürlich könnte ich eingreifen, den Plot drehen, meine Heldinnen einen bequemeren Weg gehen lassen. Aber dann wäre es keine ehrliche Geschichte mehr – und auch kein ehrlicher Spiegel.
Schreiben bedeutet für mich: den Figuren Raum geben. Raum, den ich mir selbst manchmal nicht zugestehe.
So schaffe ich Distanz zu meinen eigenen Gedanken. Denn wenn ein Konflikt in meinem Kopf kreist, verstricke ich mich. Wenn derselbe Konflikt auf dem Papier lebt – durch eine Figur, die ihn austrägt – kann ich Abstand nehmen. Ich betrachte das Problem von außen, fast wie eine Fremde. Und das öffnet neue Perspektiven.
Schreiben ist für mich also nicht nur Kreativität, sondern auch Erkenntnis. Es ist ein Rausch, weil es mich in andere Welten trägt – und eine Realität, weil ich mich in diesen Welten selbst finde.
Die Grenze dazwischen ist fließend. Und genau dort, in diesem Zwischenraum, passiert die Magie.
Diese Seite enthält Spuren von Sarkasmus und Cocktails.
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