Wer wärst du ohne deine Rechtfertigungen?

Der Text hinterfragt, warum wir uns ständig erklären – selbst dann, wenn niemand es verlangt. Rechtfertigungen dienen oft als Schutzmechanismus gegen Ablehnung. Der Beitrag lädt dazu ein, zu erkunden, wer wir wären, wenn wir aufhören würden, unsere Entscheidungen zu verteidigen – und stattdessen klar, ruhig und ohne Entschuldigung zu uns stehen.

2/25/20262 min read

Ich habe eine erstaunliche Superkraft: Ich kann alles erklären.
Warum ich zu spät bin. Warum ich Nein gesagt habe. Warum ich geblieben bin. Warum ich gegangen bin. Warum ich mich anders entschieden habe als erwartet.

Ich erkläre mich präventiv.
Bevor überhaupt jemand gefragt hat.

Rechtfertigungen sind elegante Schutzwesten. Sie sehen aus wie Kommunikation, fühlen sich an wie Verantwortung – und sind in Wahrheit oft nur Angst in vollständigen Sätzen.

„Ich wollte ja eigentlich…“
„Es war halt gerade schwierig, weil…“
„Normalerweise bin ich nicht so, aber…“

Wir entschuldigen uns für Bedürfnisse. Für Grenzen. Für Stimmungen. Für unser Anderssein. Als müssten wir unsere Existenz in Ratenzahlung legitimieren.

Dabei ist eine Erklärung nicht immer ehrlich.
Oft ist sie strategisch.

Wir erklären uns, damit wir nicht abgelehnt werden.
Wir erklären uns, damit wir vernünftig wirken.
Wir erklären uns, damit niemand merkt, dass wir einfach entschieden haben.

Rechtfertigungen sind die PR-Abteilung unseres Selbstwerts.

Die spannende Frage ist nicht, warum wir sie benutzen. Das ist offensichtlich.
Die spannendere Frage ist: Wer wärst du ohne sie?

Ohne das „aber“.
Ohne das „eigentlich“.
Ohne die sorgfältig formulierte Entlastungsrede.

Was würde passieren, wenn du einfach sagen würdest:
„Nein.“
Punkt.

Nicht: „Nein, weil ich gerade viel um die Ohren habe.“
Nicht: „Nein, ich würde so gern, aber…“
Nur: Nein.

Was würde passieren, wenn du nicht mehr erklärst, warum du etwas willst?
Warum du gehst?
Warum du bleibst?

Vielleicht würden Menschen irritiert sein.
Vielleicht würden sie dich für kalt halten.
Vielleicht würden sie dich aber auch plötzlich ernst nehmen.

Rechtfertigungen sind oft ein Versuch, die Reaktion des Gegenübers zu kontrollieren.
Wenn ich es gut genug erkläre, wirst du mich verstehen.
Wenn du mich verstehst, wirst du mich nicht ablehnen.

Aber Verständnis ist kein Vertrag.
Und Ablehnung kein Todesurteil.

Was, wenn du aufhören würdest, dich zu entschuldigen für das, was du bist?

Nicht rücksichtslos.
Nicht arrogant.
Sondern klar.

Klarheit braucht keine langen Fußnoten.

Manchmal verstecken wir uns hinter Erklärungen, weil wir Angst haben, einfach dazustehen. Ohne Begründung. Ohne Verteidigung. Ohne Dramaturgie.

Doch vielleicht beginnt Selbstachtung genau dort:
Wo du deine Entscheidung nicht mehr verhandelst.

„Ich will das.“
„Ich will das nicht.“
„Ich habe mich anders entschieden.“

Das ist keine Unhöflichkeit.
Das ist Integrität.

Wer wärst du ohne deine Rechtfertigungen?

Vielleicht wärst du leiser.
Vielleicht radikaler.
Vielleicht von manchen weniger gemocht – aber mehr bei dir.

Vielleicht würdest du merken, dass du dich jahrelang erklärt hast für Dinge, die für dich nie eine Rechtfertigung benötigt hätten.

Und vielleicht – nur vielleicht – ist die größte Freiheit nicht, alles erklären zu können.

Sondern es nicht mehr zu müssen.

Wenn dich solche Gedanken nicht loslassen und du Geschichten liebst, die zwischen Klarheit und Abgrund tanzen, findest du genau das auch in meinen Romanen und in Hinterfragt?! – ehrlich, unbequem und verdächtig nah an dir selbst. ✨